Meine ganze Kindheit und frühe Jugend über zählten Spätzle mit Bratensoße, Fleischküchle, frischer Leberkäs und ein gutes, zartes Rinderfilet zu meinen liebsten Speisen. Ziemlich konträr zu dem, was sich heute auf meinem Teller wiederfindet, aber damals habe ich es geliebt. Ich kann also definitiv sagen, dass ich nicht zum Veganismus gekommen bin, weil mir die Produkte nicht geschmeckt hätten – nein, absolut nicht. Ich habe viel und gerne davon gegessen!

Das erste Mal, dass ich bewusst mit dem Verzicht auf Fleisch in Kontakt gekommen bin, war in der Mittelstufe. Eine gute Freundin teilte mir voller Überzeugung mit, dass sie sich von nun an vegetarisch ernähren würde – der Tiere zur Liebe. Für mich war das zu der Zeit absolut unverständlich, weshalb ich ihr mit Nachdruck davon abriet. Ich versuchte ihr klar zu machen, dass ihre Haare davon ausfallen und ihre Knochen darunter leiden würden – Aussagen, die ich machte, obwohl ich keine Ahnung hatte, warum diese Szenarien bei vegetarischer Ernährung eigentlich eintreffen sollten. (Mittlerweile isst sie tatsächlich wieder Fleisch)

Eine weitere Situation, die mir aus heutiger Sicht ziemlich unglaublich erscheint, aber zu meinem damaligen Ich gut gepasst hat, ergab sich, als ich meine Zahnspange rausbekommen sollte. Ich war zum Glück nicht besonders lange Spangenträgerin, habe es aber dennoch immer als störend empfunden. Zur Feier des Tages also, habe ich mir von meinen Eltern gewünscht in ein Steakrestaurant nach Stuttgart zu gehen, damit ich endlich mal wieder ohne die nervige Spange ein Steak genießen konnte. Was soll ich sagen? Ich habe es genossen – und wie!

Wie du siehst, war meine Meinung zum Thema tierische Nahrung nicht immer so wie sie heute ist, weshalb ich absolut nachvollziehen kann, warum man meine Sichtweise vielleicht nur schwer verstehen kann.

Was konnte mich also zu der Zeit davon überzeugen, all meine liebsten Gerichte hinter mir zu lassen und einen veganen Speiseplan aufzusetzen?

Im Grunde gab es für mich nur eine wirkliche Inspiration, mich mit der rein pflanzlichen Ernährung auseinander zu setzen – die Videos der Influencerin Ema Louise, der ich zu der Zeit schon einige Jahre auf Youtube folgte (Link zu ihrem Youtube Channel). Ema und ich sind etwa im selben Alter, weshalb die Themen, von denen sie spricht generell schon eine gewisse Relevanz für mich haben. Als sie 2015 anfing, sich vegan zu ernähren, habe ich auch begonnen ein Interesse dafür zu entwickeln (ich würde sagen, da hat das mit dem „influencen“ ja mal sowas von gut bei mir geklappt haha).

Darauf hin habe ich mir dann einige Videos angesehen, die den Veganismus thematisierten und habe versucht mich generell besser zu informieren. Besonders die Doku „Cowspiracy“ (gibt’s bei Netflix – kann ich wirklich nur empfehlen) hat mich davon überzeugt den Schritt vom „Alles-Esser“ zum „Veganer“ zu machen, ohne vorher einen Umweg über das Stadium „Vegetarier“ zu gehen. Wer mich kennt, weiß, dass es für mich in vielen Dingen nur ganz oder gar nicht gibt, weshalb es mir mit meinen jungen 16 Jahren am sinnvollsten erschien, meine Ernährung radikal zu ändern. Das ist natürlich nicht für jedermann etwas (für meine Eltern hätte erstmal „Vegetarierin“ gereicht), das steht außer Frage, jedoch war es für mich definitiv die richtige Entscheidung.

Mittlerweile sind gut 2,5 Jahre vergangen und ich bin nach wie vor sehr glücklich mit meiner Wahl! Ich würde sogar sagen, dass diese, doch eher grundlegende Entscheidung eine der wenigen in meinem bisherigen Leben war, hinter der ich heute zu 100% stehe.

So, was möchte ich mit diesem Post nun erreichen? Ich möchte mit meinem Weg zeigen, dass ich andere Lebensweisen absolut akzeptieren kann und niemanden verurteilen möchte. Es gab allerdings auch durchaus Phasen in den letzen Jahren, in denen ich wesentlich militanter drauf war und nichts anderes hab gelten lassen. Mittlerweile habe allerdings auch ich gemerkt, dass ich mir das Leben so nur unnötig selber schwer mache und mir auf belehrende Art und Weise eh niemand freiwillig sein Gehör schenken wird.

Ich muss ehrlich sagen, dass es mir relativ schwer fiel, mit meinen Sätzen das auszudrücken, was ich sagen wollte, ohne jemandem auf die Füße zu treten oder etwas von oben herab zu wirken – Ich möchte beides natürlich nicht tun! Auch wenn mit Sicherheit nicht jedem passt was ich hier schreibe, hoffe ich die Meisten damit zu erreichen . 😊

Olivia Katharina